4 Tage 7 Nächte, gefühlt. Der Konzertbericht XXL.

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Freitag: MTKP in da House heißt es am Freitag ab 20:00 Uhr in Das Haus am Burgwall. Mein Hinweis war nämlich ein Anagramm von ‚DasHausBurgwallRostock‘, liebe Freunde. Und wer jetzt nicht einmal weiß, was ein Anagramm ist, kriegt sofort ’ne sechs und einen Brief an die Eltern. Leider ist durch einen Fehler bei der Organisation der Laden gleichzeitig mit einer Bachelor Abschluss Fete belegt, sodass einige Besucher doch recht redselig sind. Zum Glück haben aber auch einige Freunde den Weg ins Haus gefunden. Supportet werden wir von Kamp aus Rostock (auf jeden Fall mal reinhören, wer ihn noch nicht kennt), da If Manda leaves krank geworden ist und uns deswegen auch nicht nach Hamburg begleiten wird. Der Abend endet in gemütlicher Runde bei Mülli, der gleich um die Ecke wohnt.

Samstag: Mit zwei randvollen Autos geht’s gen Hamburg. Das Gängeviertel erwartet uns wie eine Kulisse für einen Film, den es noch nicht gibt. Überall Kunst, cooler Firlefanz, Werkstätten und sehr entspannte und nette Leute, die eher nach Elektrodisco als nach Woodstock aussehen. Leider haben wir bei der Terminwahl nicht darauf geachtet, dass der erste Mai ansteht, und so ist ein Großteil des Gängeviertels demonstrieren als wir die Bühne betreten. Das tut unserer Laune natürlich keinen Abbruch. Nach einem guten Gig geht’s dann erstmal rüber in die kleine Gästewohnung, die uns mit dem netten Hinweis gestellt wird, dass wir unsere Lebensmittel gut verpacken sollen, da sonst die Mäuse kommen. Wir lachen; er nicht. Auf einem Stuhl im Schlafzimmer hängen noch ein paar Kleidungsstücke die daliegen, als wäre ihr Träger gerade daraus verpufft. <<Lasst die Sachen mal liegen. Kann sein, dass das Kunst ist.>> Diesmal suchen wir gar nicht erst nach der Ironie in dieser Aussage und gehorchen still.  Das Gruseligste an der schönen Wohnung ist nicht etwa die Saloon-artige Schwingtür, die das Urinieren zu einem öffentlichen Event macht, sondern ein lebensgroßes Gipspferd mit einer schwarzen Träne. Die komplette Band fühlt sich an Bobby -ein Pferd mit kurzen Dackelbeinen auf einem Hof bei Rostock- erinnert. Sollte dies etwa ein böses Omen sein? Wir werden sehen. Was macht man in Hamburg nachts um halb eins? Richtig, man geht auf die Reeperbahn. Und was soll ich euch sagen: In dem Moment als MTKP auf der Bildfläche erscheint, reißen die Mädchen die Fenster auf und sich die Sachen von Leib! Mit lockendem Finger versuchen sie uns in ihr Hexenhäuschen zu komplimentieren. Wahsinn, oder? Hamburg fliegt anscheinend auf die Katzenposter. Um sechs Uhr morgens kommt Mülli dann als letzter nach Hause und bullert, um Einlass bittend, gegen die Tür. Leider werden wir davon nicht wach. Als Mülli dann nochmal die Schlagzahl erhöht, öffnet sich Sesam und wer steht vor Mülli Angesicht zu Angesicht? Ein waschechter Wikinger! Mit rotem Riesenbart und gleichfarbiger Langhaarfrisur (gab’s bestimmt als Set zu kaufen), jagt er Mülli einen ordentlichen Schrecken ein


Sonntag: Bei einer Frühstückszigarette erfährt der nächtlich Erschreckte, dass der Wikinger -wir sollten seinen Namen nie erfahren- von seiner Freundin sitzen gelassen wurde und hier abstieg. Haarige Schale, weicher Kern. Den Tag verbringen wir mit sinnlosem Herumgerenne und noch sinnloserer Konversation. Zwei Beispiele: 1) <<Ich hab Durst.>> <<Im ertsen Stock des Bahnhofs ist ein Rossman.>> <<Lass mal in den ersten Stock gehen.>> <<Wieso, was ist denn da?>> <<Ein Rossman.>> 2) <<Lass mal rumrennen.>> <<Ja.>> <<Lass mal irgendwo hinsetzten.>> <<Ja.>> Letztendlich beschließen wir, uns wie Eidechsen auf eine schöne warme Mauer zu legen und zu schlafen. Kurz vor der Abfahrt zum Sweethome Café, wo das abendliche Konzert stattfinden soll, steigt die Stimmung dann nochmal wie ein Luftballon. Aus einem Automaten ziehen sich André und ich für 20 Cent jeweils eine klebrige, dehnbare, vor Weichmachern nur so krebsende Gummischnur, die vorne in einem Spinnennetz gipfelt. Ein Kampf auf Leben und Tod entbrennt. Wer wird wohl dem anderen mehr Fettflecke versetzen? Kurzerhand erfinden MTKP das, ans deutsche ‚Schlackern‘ angelehnte, neue Kultspiel: Slackerball. Mit den Worten <<Ich glaub mein Slackerball is‘ durch.>> endet die Partie unentschieden, aber in entschiedener Gleichgültigkeit. In Wilhelmsburg -das ähnlich wie die KTV aussieht- angekommen, suchen wir nach Einheimischen, die hier Hauptsächlich aus Ausheimischen bestehen. Ein völlig anderes und auf eine völlig andere Art schönes Hamburg. Auf der Suche nach Nahrung klappern wir mehrere Imbissbuden ab. Da gibt’s dann z.B. frische Keçi mit selbstgemachter tereyağı, oder auch ציג mit פּוטער . Da fällt die Wahl leicht, zumal es keine weitere Beschreibung dazu gibt. Und nach alter Wat-de-Buer-nich-kennt-dat-frett-he-nich-Manier kommen wir auf unseren alten Kumpel Döner zurück. Das Sweet Home Café selbst ist wie ein Wohnzimmer mit Schaufenstern. Heute im Angebot: Arne und ich. Da weiß man wenigstens was man bekommt. Vor interessierten und begeisterten Besuchern spielen wir ein Akustik Set ohne jegliche Verstärkung. Mülli selbst schließt vor Genuss seine Augen, öffnet leicht den Mund und lässt seinen Kopf auf die Brust sinken. Der Perfekte Abschluss unseres zweiten Hamburg Wochenendes. Kurz vor unserer Abfahrt sammelt Fran, die Besitzerin des Ladens, noch eine leere f6-Schachtel ein, in fester Absicht diese zu einzurahmen. Ob als Reliquie von uns oder als kleines Stück des Ostens bleibt unklar.


Montag: Am Vormittag erreicht uns die traurige Nachricht, dass Bobby (ihr wisst schon, das Dackelpferd) gestorben ist. Ja, das Gipspferd in Hamburg sollte ein Zeichen sein. In gedrückteter Simmung überlegen wir gemeinsam, ob wir das Konzert absagen sollten. Letztendlich ringen wir uns dazu durch, den Gig wie geplant zu spielen. Bobby hätte es so gewollt. Und wäre er sonst nicht umsonst gestorben? Ich glaube … nein. <<Zum Glück sind wir schon um 18:30 Uhr dran. Dann können wir wenigstens gleich danach ins Bett.>> denken wir uns noch beim Mittagessen. Nachdem wir uns unter lautem Wehklagen ein zweites Schlagzeugpodest für Hannes randiskutiert haben, geht’s pünktlich in die finale Runde Nr. 4 unserer Minitour. Etwas müde laufen wir erst im letzten Drittel des Konzerts zur Hochform auf. Mit Alle sind am Leben – außer Bobby endet der musikalische Teil des Abends sehr emotional. Epilog: Natürlich muss ich euch nicht erzählen, dass wir noch bis spät in die Nacht Backstage rumsaßen und feierten.

 

Erkenntisse des Wochenendes: 1) Mit täglichem Konzert und anschließender Party auf eine längere Tour zu gehen ist unmöglich. 2) Bietet sich der Band eine luxuriöse, öffentliche Toilette, geht sie gemeinsam auf’s Klo. Das gilt dann als Teambildende Maßnahme. 3) Slackerball wird nie olympisch werden. 4)  Mit MTKP fühlt man sich abwechselnd so jung, bzw. so alt wie noch nie (das alterniert im 12-Stunden-Takt) und mit dieser Band auf Tour zu sein ist stressig, anstrengend und vor allem eines: großartig!

euer Poster

PS:  Klickt einfach auf die Fotos um uns in voller charakterlicher Größe zu sehen.

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Über mtkp

Band aus Rostock

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